EuroNatur-Preis 2019 an die „mutigen Frauen von Kruscica“ verliehen

Engagierte Flussschützerinnen aus Bosnien-Herzegowina ausgezeichnet

Wir berichteten bereits von der Protestwelle gegen den Staudammwahn und dem Film Blue Heart, über die Bedrohung der letzten wilden Flüsse auf dem Balkan.
Eine Delegation der „mutigen Frauen von Kruscica" nahm heute auf der Bodenseeinsel Mainau den EuroNatur-Preis 2019 entgegen. Mit dieser Auszeichnung wurden sie für ihren außergewöhnlichen Mut und ihr Durchhaltevermögen zum Schutz ihres Flusses gewürdigt.
 
Stellvertretend für die Frauen des Ortes nahm eine dreiköpfige Delegation den Preis entgegen: Medina Zukan, Maida Bilal und Ahmi? (v.l.n.r.) © Gerald JarauschÜber 500 Tage und Nächte hat eine Gruppe von Frauen aus dem Dorf Kruscica eine Brücke über den gleichnamigen Fluss besetzt und somit den Bau von zwei Wasserkraftwerken verhindert. Im Glauben, dass Frauen von den Sicherheitskräften nicht angegriffen würden, waren es ausschließlich Bewohnerinnen des Dorfes Kruscica, die von August 2017 bis Dezember 2018 die Brücke über ihren Fluss blockierten. „Weder Einschüchterungsversuche des Investors noch brutale Polizeieinsätze konnten die Frauen dazu bringen, die Verteidigung ihres Flusses aufzugeben – und das über diese lange Zeit. Ich habe große Hochachtung für den Mut und die Entschiedenheit, für die Ausdauer und die Solidarität dieser Lebensgemeinschaft", sagte EuroNatur-Präsidentin Christel Schroeder in ihrer Rede.
 
Ende 2018 bestätigte das zuständige Gericht die Einwände gegen die geplanten Wasserkraftwerke in Kruscica und die Frauen konnten die Blockade der Brücke aufgeben. Aber der Kampf gegen den Staudamm-Boom auf dem Balkan geht an vielen anderen Orten weiter. Für viele Widerstandsgruppen haben die „mutigen Frauen von Kruscica" bei ihren Protesten Vorbildcharakter.
 
Hintergrundinformationen:
  • EuroNatur-Preis: Die „mutigen Frauen von Kruscica" stehen mit der Verleihung des EuroNatur-Preises in einer langen Reihe namhafter Persönlichkeiten. Frühere Preisträger sind u.a. Jonathan Franzen, Dr. Luc Hoffmann, Dr. Mario F. Broggi, Gudrun Steinacker und Roberto Epple. Der EuroNatur-Preis ist undotiert. Mit ihm werden herausragende Leistungen für den Naturschutz gewürdigt. Der EuroNatur-Preis 2019 wurde am Donnerstag, den 10. Oktober 2019 um 17 Uhr auf der Bodenseeinsel Mainau an eine Delegation der Frauen aus Kruscica verliehen.
  • Kampagne zur Rettung der Balkanflüsse: Ungefähr 3.000 neue Wasserkraftwerke sind derzeit zwischen Slowenien und Albanien in Planung oder im Bau. Um dieser Welle der Zerstörung entgegenzutreten, haben die Naturschutzorganisationen EuroNatur und Riverwatch zusammen mit lokalen Partnern in den Balkanländern die Kampagne „Save the Blue Heart of Europe" ins Leben gerufen. 
EuroNatur ist eine gemeinnützige, international tätige Naturschutzstiftung mit Sitz in Radolfzell am Bodensee. Ziel ist der grenzübergreifende Erhalt wertvoller europäischer Natur- und Kulturlandschaften mitsamt ihrer Artenvielfalt. Hauptbestandteil der Arbeit von EuroNatur ist es, Menschen und Natur zu verbinden – die Grundlage, um einen langfristigen Erfolg der Projekte zum Schutz von Wildtieren wie Wölfen, Bären, Luchsen, Zugvögeln und ihren Lebensräumen zu erreichen. Sie finden uns im Internet unter www.euronatur.org und auch auf Facebook, Twitter und YouTube.
 
 
Kontakt: Christian Stielow, EuroNatur | christian.stielow@euronatur.orgwww.euronatur.org

Umwelt | Naturschutz, 10.10.2019
     
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