Regenerative Agriculture Crash Course - 14-19 October 2024 |La Junquera, Murcia, Spain. Experience regenerative agriculture and landscape restoration through your own eyes

Kaffee zu Schleuderpreisen – Düstere Zukunft für den Kaffeeanbau?

Zur „World of Coffee“ rufen Fairhandels-Organisationen die Kaffeebranche zu mehr Nachhaltigkeit auf

Während am Weltmarkt Kaffee zu historischen Tiefstpreisen verschleudert wird, versammelt sich vom 06. bis 08. Juni das „Who is who" der internationalen Kaffeebranche auf der „World of Coffee" in Berlin. Die aktuellen Preise decken laut eines Marktreports des Kaffeehändlers Volcafe bei rund 60 Prozent der Produzent*innen nicht einmal die Produktionskosten. Zusätzlich verschärft der Klimawandel die Situation der Kaffeebäuerinnen und -bauern dramatisch. Noch ist das Geschäft für die großen Röster und Kaffeehändler lukrativ. Doch ihr Erfolg geht auf Kosten der Kleinbäuerinnen und -bauern sowie deren Umwelt. Das Forum Fairer Handel und TransFair (Fairtrade Deutschland) appellieren an die Kaffeebranche, weniger über Nachhaltigkeit zu reden und mehr dafür zu tun – auch im eigenen Interesse. Ein konkreter Schritt: weg mit der Kaffeesteuer für fairen und ökologischen Kaffee.
 
Kaffeekonzerne profitieren von Preisen unterhalb der Produktionskosten
Zur 'World of Coffee' rufen das Forum Fairer Handel und TransFair die Kaffeebranche zu mehr Nachhaltigkeit auf. © rdlncl, pixabay.comKurzfristig mögen die Kaffeekonzerne von niedrigen Preisen in Folge von Spekulationsgeschäften und Rekordernten in großen Anbauländern wie Brasilien oder Vietnam profitieren. Insbesondere bei Kaffeequalitäten im niedrigen Preissegment herrscht derzeit ein Überangebot. Doch wenn die Bäuerinnen und Bauern nicht bald bessere Preise und mehr Unterstützung im Kampf gegen den Klimawandel erhalten, stehen der Kaffeebranche düstere Zeiten bevor. „Von den aktuellen Niedrigpreisen von unter einem Dollar pro Pfund Rohkaffee können Kleinbauernfamilien nicht leben, geschweige denn dringend benötigte Investitionen tätigen", kritisiert Andrea Fütterer, Vorsitzende des Forum Fairer Handel. Die Konsequenz: Junge Leute ziehen in die Städte oder verlassen ihre Heimatländer, Baumbestände überaltern. Zusätzlich werden die Staatshaushalte der Erzeugerländer mit den gesellschaftlichen und ökologischen Folgekosten des Kaffeeanbaus belastet. Denn die Kaffeebäuerinnen und -bauern können angesichts der schlechten Bezahlung häufig nicht die Kosten für gesunde und ausreichende Ernährung, Unterbringung, die Schulbildung ihrer Kinder oder deren ärztliche Versorgung bestreiten. Zu den ökologischen Folgekosten gehört beispielsweise die Wasserverschmutzung durch Düngemittel und Pestizide. Kurz: Die Branche setzt für kurzfristigen Profit die Zukunft des Kaffeeanbaus aufs Spiel.
 
Ungerechter Kaffeemarkt
Der globale Kaffeemarkt ist zutiefst ungerecht. Während eine Handvoll Kaffeekonzerne von wachsenden Gewinnen profitieren, verbleibt viel zu wenig Wertschöpfung in den Anbauländern. Das belegt die aktuelle Studie „Kaffee – eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise". Deren Zahlen für den deutschen Markt verdeutlichen die Schieflage: Die Einnahmen in den Produktionsländern sind zwischen 1994 und 2017 um zehn Prozent gesunken. Dagegen ist die Wertschöpfung bei Röstern und Händlern in Deutschland im gleichen Zeitraum um 139 Prozent, von 1,52 Milliarden Euro auf 3,63 Milliarden Euro pro Jahr gestiegen. „Kaffee ist hierzulande das Lieblingsgetränk Nummer eins. Wenn wir aber zukünftig täglich Kaffee genießen möchten, müssen sich die Anbau- und Handelsbedingungen für die Kaffeebäuerinnen und -bauern dringend verbessern", mahnt Dieter Overath, Geschäftsführender Vorstandsvorsitzender bei TransFair. „Steigende Produktionskosten, erschwerte Anbaubedingungen durch den Klimawandel und gleichzeitig sinkende Preise – die Kaffeebranche verbaut sich mit dieser Preispolitik die eigene Zukunft", sagte Overath anlässlich der World of Coffee.
 
Die Politik ist gefordert
Die gegenwärtige Machtverteilung entlang der konventionellen Lieferkette begünstigt die ungleiche Wertschöpfung massiv. Um das zu ändern, ist deshalb auch die Politik gefragt: „Warum sind Produkte, die auf Kosten von Mensch und Umwelt gehen, so billig? Wenn es die Politik ernst meint damit, Nachhaltigkeitsziele umzusetzen, muss sie faire und ökologische Produkte begünstigen. Deswegen setzen wir uns für die Abschaffung der Kaffeesteuer für fair gehandelten Kaffee ein", erklärt Dieter Overath mit Blick auf die Bundesregierung. Damit möglichst viele Kaffeebäuerinnen und -bauern bessere Bedingungen erhalten, braucht es zudem übergreifende gesetzliche Regelungen. „Aus diesem Grund plädieren wir für eine gesetzliche unternehmerische Sorgfaltspflicht entlang der Lieferketten. Die Unternehmen müssen dafür Verantwortung übernehmen, dass ihre Produkte unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt werden", erklärt Andrea Fütterer.
 
Der Faire Handel als Alternative
Der Faire Handel zeigt auf, wie faire und nachhaltige Lieferketten aussehen. Er verbessert die Lebensbedingungen der Kleinbäuerinnen und -bauern, indem er sie in ihrer Selbstorganisation und Professionalisierung stärkt, die Preisschwankungen am Weltmarkt durch stabile Mindestpreise abfedert und die Kooperativen zusätzlich von Prämien für Fairen Handel und ökologischen Anbau profitieren. Die Studie „Kaffee – Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" empfiehlt insbesondere die Kombination aus biologischem Anbau und Fairem Handel. In Deutschland sind rund drei Viertel des fair gehandelten Kaffees zusätzlich Bio-zertifiziert.
 
Service
Die deutsche Kurzfassung der Studie „Kaffee – Eine Erfolgsgeschichte verdeckt die Krise" erhalten Sie hier zum Download. Die französische Originalversion wurde im Oktober 2018 vom Forschungsinstitut BASIC im Auftrag der Fair-Handels-Organisationen Commerce Equitable France und Max Havelaar France sowie dem Netzwerk „Repenser les filières" (zu Deutsch „Wertschöpfungsketten neu denken") herausgegeben. Die Lang- und Kurzfassungen dieser Studie im Original und auf Englisch erhalten Sie unter lebasic.com/nos-publications
 
Kontakt:
Katrin Frank, Forum Fairer Handel e.V. | presse@forum-fairer-handel.dewww.forum-fairer-handel.de

Lifestyle | Essen & Trinken, 04.06.2019

     
Cover des aktuellen Hefts

Positiver Wandel der Wirtschaft? – So kann's gehen

forum 03/2024 mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft im Wandel – Lieferkettengesetz, CSRD und regionale Wertschöpfung"

  • KI
  • Sustainable Finance
  • #freiraumfürmacher
  • Stromnetze
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
21
AUG
2024
StiftungsApéro SommerTour mit Engagement Global
Wie machst Du das eigentlich in Deiner Stiftung?
Berlin, 27.08. Frankfurt a.M., 04.09. CH-Basel
12
SEP
2024
Handelsblatt Tagung Energizing Real Estate 2024
Die Energiewende gelingt nur gemeinsam mit der Immobilienwirtschaft
10117 Berlin
16
OKT
2024
17. Europäischer Kongress (EBH)
Effizientes Bauen mit Holz im urbanen Raum
52355 Gürzenich Köln
Alle Veranstaltungen...
Lassen Sie sich begeistern von einem Buch, das Hoffnung macht

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Bildung, Kunst, Schönheit
Christoph Quarch wünscht sich in der Haushaltsdebatte einen neuen Blickwinkel
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Weltweit erstes Hartstoff-Einstreumaterial mit Produkt-EPD für nachhaltiges Bauen:

Anerkennung aus Bund und Land für Pionierleistung:

25.000 Quadratmeter Blühflächen für den Artenschutz

Nachhaltigkeit zieht Fachkräfte an

Immobilien-Boom in Dubai – was steckt dahinter?

Wie machst Du das eigentlich in Deiner Stiftung?

Personalisierte Produkte für nachhaltige Unternehmen: Diese Vorteile bietet die CNC-Gravur

Fit für die Fußball-EM: Wo Gastrobetriebe Umsatz liegen lassen

  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Engagement Global gGmbH
  • circulee GmbH
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • Kärnten Standortmarketing
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG