Regenerative Agriculture Crash Course - 14-19 October 2024 |La Junquera, Murcia, Spain. Experience regenerative agriculture and landscape restoration through your own eyes

Quadratisch – praktisch – nachhaltig

Kulturwandel im Hause Ritter

Eine sportliche Aufgabe hat sich Andreas Ronken mit der Übernahme des Vorsitzes der Geschäftsführung von Ritter Sport vorgenommen: Er will die Erfolgsgeschichte des schwäbischen Mittelständlers, der mit seinen bunten, quadratischen Schokoladentafeln weltweit bekannt ist, fortschreiben und setzt dabei auf Nachhaltigkeit.

Alfred Ronken tritt die Nachfolge von Alfred T. Ritter als Geschäftsführer von Ritter Sport an – und weitet das Engagement für Nachhaltigkeit aus. © Ritter Sport Herr Ronken, Sie haben vor gut zweieinhalb Jahren den Vorsitz der Geschäftsführung bei Ritter Sport übernommen. Wie lebt es sich als Nachfolger eines Alfred T. Ritter?
Es lebt sich gut! Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Natürlich sind – wie man so sagt – die Fußstapfen groß, in die ich als Nachfolger von Alfred T. Ritter getreten bin. Aber wir kennen uns schon über zehn Jahre und haben ja auch vor seinem Wechsel in den Beirat eng zusammengearbeitet. Insofern war die Umstellung für ihn sicherlich größer als für mich. Entscheidend ist, dass wir in den zentralen Werten übereinstimmen und ein gemeinsames Ziel verfolgen: die dauerhafte Unabhängigkeit des Unternehmens.

Herr Ritter ist für sein Nachhaltigkeits-Engagement bekannt. Wo sehen Sie Ihren persönlichen Schwerpunkt in diesem Bereich?
Nachhaltigkeit ist ein Prozess, der das gesamte Unternehmen verändert. Ich spreche in dem Zusammenhang gerne von einem Kulturwandel. Und den treibe ich voran. Es geht darum, Strukturen so zu gestalten, dass Nachhaltigkeit Teil des täglichen Tuns wird. Bei uns ist derjenige für Nachhaltigkeit verantwortlich, der einen Bereich auch im Operativen betreut. Nehmen Sie das Beispiel Rohstoffeinkauf: Da muss nicht der Nachhaltigkeitsmanager entscheiden, welcher Rohstoff den Nachhaltigkeitsanforderungen entspricht, sondern das ist Aufgabe des zuständigen Kollegen im Einkauf. Das hat zur Folge, dass sich die Leute viel intensiver mit dem Thema beschäftigen und eine Sinnhaftigkeit darin sehen. Aber wie bei allen Veränderungsprozessen braucht das Zeit. Mein Ziel ist  es, Nachhaltigkeit in alle Prozesse des Unternehmens zu integrieren. Denn für mich ist nachhaltiges Wirtschaften die einzig sinnvolle Art ein Unternehmen zu führen. Daher sprechen wir auch lieber von Zukunftsfähigkeit.

Wie sind Sie zu dieser Überzeugung gelangt? 
Als Kind der Lebensmittelindustrie hat sich das im Laufe der Zeit entwickelt. Ich bin inzwischen seit fast 30 Jahren in der Branche und habe viel gesehen. Meine Reisen an den Ursprung des Kakaos haben meinen Blick für die Menschen am Beginn der Wertschöpfungskette geschärft. Ich finde den vermeintlichen Gegensatz von Profit oder Nachhaltigkeit falsch, sondern bin davon überzeugt, dass es nur zusammen geht. Nachhaltigkeit muss zur selbstverständlichen Routine werden – wie Zähneputzen.
 
Teilt die Süßwarenindustrie im Allgemeinen diese Auffassung?
Es ist sicherlich so, dass in den letzten Jahren ein Umdenken oder besser ein Weiterdenken stattgefunden hat. Viele Unternehmen haben sich wie wir von einzelnen Nachhaltigkeitsprojekten hin zu einer langfristigen Strategie entwickelt. Auch viele Großkonzerne haben heute gute Nachhaltigkeitsprogramme – es ist nicht immer alles schlecht, was schlechtgemacht wird. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass bei einem Genussmittel wie Schokolade das Interesse der Verbraucher am Thema Nachhaltigkeit bislang eher gering ist. Hinzu kommt, dass gerade in Deutschland die Verbraucher sehr preissensibel sind. Bei Schokolade ist es leider immer noch so, dass 10 Cent Preisunterschied erhebliche Auswirkungen auf das Absatzvolumen haben. Wir merken aber auch, dass sich vor allem die junge Generation vermehrt mit dem Thema beschäftigt. 

Ist Nachhaltigkeit in einem Familienunternehmen leichter umzusetzen als in einem Großkonzern?
Ritter Sport hat in Nicaragua eine Fläche von 2.500 Hektar Brachland aufgekauft, um dort eine Kakaoplantage nach sozial und ökologisch verträglichen Standards zu errichten. Mehr dazu lesen Sie hier und in der nächsten Ausgabe von forum Nachhaltig Wirtschaften
Auch wir müssen Gewinne erwirtschaften. Nur dann können wir dauerhaft die Unabhängigkeit des Unternehmens sichern. Aber unser Vorteil ist sicher, dass wir eine Inhaberfamilie haben, die Nachhaltigkeit aus eigener Überzeugung vorantreibt. Das gibt uns die Möglichkeit, Projekte zu realisieren, die sich nicht innerhalb von zwei/drei Jahren rechnen, sondern sich sehr viel langfristiger auswirken. Nehmen Sie eine Investition wie unsere eigene Kakaoplantage „El Cacao" – das wird sich wirtschaftlich erst auf lange Sicht rechnen. 

Herr Ronken, wir danken für das Gespräch und wünschen einen erfolgreichen Kulturwandel und viel Erfolg mit dem Projekt „El Cacao."

Quelle: Alfred Ritter GmbH & Co. KG

Wirtschaft | Führung & Personal, 07.06.2017

     
Cover des aktuellen Hefts

Positiver Wandel der Wirtschaft? – So kann's gehen

forum 03/2024 mit dem Schwerpunkt „Wirtschaft im Wandel – Lieferkettengesetz, CSRD und regionale Wertschöpfung"

  • KI
  • Sustainable Finance
  • #freiraumfürmacher
  • Stromnetze
Weiterlesen...
Kaufen...
Abonnieren...
20
JUL
2024
Exkursion Landesgartenschau Kirchheim "Naturgärten gegen Artensterben"
In der Reihe "Mein Klima: Im Garten, auf der Straße ..."
85551 Kirchheim
22
JUL
2024
Stoffwechselpolitik: Arbeit, Natur und die Zukunft des Planeten
In der Reihe "Mein Klima: auf der Straße, im Grünen ..."
80331 München und online
12
SEP
2024
Handelsblatt Tagung Energizing Real Estate 2024
Die Energiewende gelingt nur gemeinsam mit der Immobilienwirtschaft
10117 Berlin
Alle Veranstaltungen...
Hier könnte Ihre Werbung stehen! Gerne unterbreiten wir Ihnen ein Angebot

Professionelle Klimabilanz, einfach selbst gemacht

Einfache Klimabilanzierung und glaubhafte Nachhaltigkeitskommunikation gemäß GHG-Protocol

Politik

Warum nimmt die Radikalisierung beim Thema Abtreibung wieder zu?
Christoph Quarch ist der Ampel dankbar für ihre Gesetzesinitiative
B.A.U.M. Insights

Jetzt auf forum:

Fit für die Fußball-EM: Wo Gastrobetriebe Umsatz liegen lassen

Wetter oder Klima? Europa wird zum Hotspot des Klimawandels

„Wir fahren ein Rennen für die Zukunft“

Leber entgiften: Die besten Tipps & Mittel für die Leberkur

Und wieder jede Menge guter Nachrichten

Pioniere der nachhaltigen Landwirtschaft von Angela Merkel ausgezeichnet

Außergewöhnlich gut: Tchibo begeistert mit neuem Spitzenkaffee aus der Kaffeeschule

Wir müssen den Import von Fracking-Gas stoppen!

  • B.A.U.M. e.V. - Netzwerk für nachhaltiges Wirtschaften
  • DGNB - Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen
  • Kärnten Standortmarketing
  • Engagement Global gGmbH
  • Global Nature Fund (GNF)
  • Energieagentur Rheinland-Pfalz GmbH
  • Futouris - Tourismus. Gemeinsam. Zukunftsfähig
  • ECOFLOW EUROPE S.R.O.
  • circulee GmbH
  • Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG
  • World Future Council. Stimme zukünftiger Generationen
  • Protect the Planet. Gesellschaft für ökologischen Aufbruch gGmbH