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Schnittstellen zwischen CSR und Entwicklungszusammenarbeit

Die Anzahl der Google-Treffer für "Corporate Social Responsibility" (CSR) nimmt beinahe täglich zu. Immer mehr Unternehmen schreiben sich die drei magischen Buchstaben auf die Fahnen. Kontrovers wird diskutiert, ob das Wichtigste bei CSR die Freiwilligkeit aller Maßnahmen ist, ob es einen klaren Bezug zur Kerntätigkeit der Unternehmen geben muss, ob jede CSR-Maßnahme über das, was das Gesetz fordert, hinaus gehen soll oder inwiefern es sich bei CSR doch eher um PR handelt und dem Versuch der Unternehmen eine stärkere Regulierung in Richtung Corporate Accountability zu verhindern. Im Rahmen dieser Debatte taucht eine Frage, ungeachtet aller offenen Punkte, immer wieder auf:

Wie können Unternehmen einen Beitrag zu einer nachhaltigen Entwicklung leisten?
Nachhaltige Entwicklung ist dabei auf Basis des so genannten Brundtland-Reports, der diesen Begriff berühmt gemacht hat, einfacher zu definieren:

"Humanity has the ability to make development sustainable to make sure that it meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs. [.] Sustainable Development requires meeting the basic needs of all and extending to all the opportunity to fulfil their aspirations for a better life."

Der Aspekt der Generationengerechtigkeit, das heißt die Bedürfnisse von heute zu decken, ohne die Möglichkeiten der zukünftigen Generationen einzuschränken, wird oft zitiert. Der Aspekt der Gerechtigkeit zwischen den Völkern, ausgedrückt in der Betonung, dass bei einer nachhaltigen Entwicklung primär die Deckung der Grundbedürfnisse und damit die Armen dieser Erde im Vordergrund stehen, wird weit seltener aufgegriffen. Operationalisiert wird das Konzept der nachhaltigen Entwicklung häufig durch eine Integration der ökologischen, sozialen und ökonomischen Dimensionen nachhaltiger Entwicklung.

Ökologische, soziale und ökonomische Missstände, die ein würdiges Leben der Menschen und eine nachhaltige Entwicklung von Staaten und Regionen verhindern, sind das Kerngebiet internationaler Entwicklungszusammenarbeit (EZ). Hier ergibt sich also eine Schnittstelle zwischen Institutionen der EZ und Unternehmen, die ihre gesellschaftliche Verantwortung, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen, wahrnehmen wollen.

Die internationalen Institutionen haben mit der Bereitstellung von Standards und Lernplattformen freiwilligen Maßnahmen von Unternehmen einen wichtigen Orientierungsrahmen gegeben. Dazu gehören beispielsweise die OECD-Leitsätze für Multinationale Unternehmen und die UN-Normen für die Verantwortlichkeiten transnationaler Unternehmen im Hinblick auf die Menschenrechte sowie der Global Compact der Vereinten Nationen. Die meisten unternehmensinternen Verhaltenskodizes, die die Kooperation mit Tochterunternehmen und Zulieferern in Entwicklungs- und Schwellenländern regeln, bleiben allerdings weit hinter den freiwilligen Vorgaben von UN und OECD zurück.

Neben den internationalen Standardsettings gibt es aber auch Programme, die auf Projektebene durch finanzielle Unterstützung und Beratungsleistung das Engagement der Unternehmen in eine Richtung lenken möchten, wo das Potential für nachhaltige Entwicklung besser ausgeschöpft werden kann. Seit Ende der 1990er Jahre propagieren viele Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit, dass so genannte Public-Private-Partnerships (PPP) viel Potential für alle Beteiligten böte. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) setzte 1999 einen speziellen Fonds auf: die so genannte PPP-Fazilität. Die Bundesregierung unterstützt damit Unternehmen bei Vorhaben in Entwicklungs- und Schwellenländern, die das Ziel haben zu einer langfristigen, nachhaltigen Verbesserung der Lebensverhältnisse vor Ort beizutragen. In allen Projekten sollen die Partner aus EZ und Privatwirtschaft gemeinsam planen, finanzieren und realisieren. Da es um einen entwicklungspolitischen Mehrnutzen geht, sind solche Firmen besonderes interessant, die sich schon mit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung beschäftigt haben. Durchführungsorganisationen, die an dem PPP-Programm als direkte Kooperationspartner der Wirtschaft beteiligt sind (z.B. gtz, InWEnt, DED oder SEQUA) sehen Schnittstellen zwischen CSR und Entwicklungszusammenarbeit z.B. in den Bereichen:

- Gewährleistung von Menschenrechten,
- Einführung von Sozialstandards,
- HIV/Aids-Prävention,
- Zertifizierung von Zulieferern,
- Arbeitssicherheit,
- Verbraucherschutz,
- Klimaschutz, Umweltverträglichkeit
- Technologiekooperationen, innovative Produktionsverfahren
- nachhaltige Bewirtschaftung von natürlichen Ressourcen.

Besonders interessant aus Sicht einer nachhaltigen Entwicklung sind Multiakteurs-Allianzen, die eine besondere Breitenwirkung versprechen. Beispiele für eine von vielen Seiten als erfolgreich eingestufte PPP zwischen EZ und Unternehmen ist der Common Code of the Coffee Community. Im Rahmen dieser Strategischen Allianz zwischen dem Deutschen Kaffeeverband (DKV), der GTZ wird angestrebt, die Nachhaltigkeit im Kaffeeanbau, bei der Verarbeitung und dem Handel sicherzustellen und dabei alle drei Dimensionen nachhaltigen Wirtschaftens, d.h. die wirtschaftliche, ökologische und soziale Dimension, zu berücksichtigen.

Die EZ verspricht sich durch PPP zusätzliche private Mittel, den Einsatz privaten Management-Knowhows und eine Aufwertung der EZ und ihrer Ziele in der Privatwirtschaft als wichtigen Teil der Gesellschaft. Die Privatwirtschaft wiederum kann von länderspezifischem Wissen und Beziehungsnetzwerken der Durchführungsorganisationen profitieren und nicht zuletzt finanzielle Beihilfen für Projekte in Anspruch nehmen. Insbesondere wenn Unternehmen ihre Verantwortung, einen Teil zu nachhaltiger Entwicklung in ärmeren Regionen beizutragen, ernst nehmen, so können sie mit Hilfe eines Partners aus der EZ mehr Breitenwirksamkeit erreichen.

PPP-Projekte beziehen sich bisher hauptsächlich auf soziale oder ökologische Fragestellungen nachhaltiger Entwicklung. Armutsreduzierung, als eine der größten Herausforderungen der ökonomischen Dimension, findet hingegen weniger Beachtung. Hier sollte sich die CSR-Debatte öffnen und diskutieren inwiefern multinationale Unternehmen oder branchenweite Initiativen proaktiv Beiträge leisten können, etwa durch die Einbeziehung besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen, das Wirken in besonders armen Regionen oder die Umverteilung von Wertschöpfung in den internationalen Zuliefererketten selbst. Für diesen neuen Schritt sollte die Expertise der Entwicklungszusammenarbeit in Public-Private-Partnerships weiter genutzt werden.



Mehr Informationen:

BMZ und PPP: http://www.bmz.de/de/themen/privatwirtschaft/index.html
InWEnt und PPP: http://www.inwent.org/wirtschaft/ppp/index.de.shtml
GTZ und PPP: http://www.gtz.de/de/leistungsangebote/2362.htm
DED und PPP: http://www.ded.de/cipp/ded/custom/pub/content,lang,1/oid,6202/ticket,g_u_e_s_t/~/Kooperationen_mit_der_Wirtschaft.html
SEQUA und PPP: http://www.sequa.de/outer.phtml-IDT=5.htm
DEG und PPP: http://www.deginvest.de/DE_Home/Leistungsangebot/
Foerderprogramme/PPP-Programm_neu/index.jsp
KfW und PPP: http://www.kfw-entwicklungsbank.de/DE_Home/Fachthemen/Kooperatio17/index.jsp
Demtschück, Elke (2004): Strategische Allianzen zwischen Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit, DIE Studies No. 5, Bonn.


Autorin: Jordis Grimm ist seit März 2007 als Promovendin und Projektmanagerin am Centre for Sustainability Management (CSM) der Leuphana Universität Lüneburg tätig. Sie betreut dort die lateinamerikanischen Klasse des MBA Sustainability Management (www.sustainament.de), deren StipendiatInnen im Rahmen eines International-Leadership-Trainings der InWEnt gGmbH finanziert werden. Ihre Forschungsinteressen liegen an der Schnittstelle von Nachhaltigkeitsmanagement und Entwicklungszusammenarbeit.
Kontakt: grimm@uni-lueneburg.de, www.leuphana.de/csm

Quelle: Claudia Kalisch
Gesellschaft | Globalisierung, 07.08.2007
     
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