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Quelle: Plattform Nachhaltig Wirtschaften Rubrik:  Fachbeiträge|Themen|Green Money Datum:  16.07.2012


 

Guter Rat ist wertvoll

Wer weiß schon so genau, worauf es bei der Geldanlage ankommt? Ein Erfahrungsbericht über nachhaltige Finanzberatung

Von Tina Teucher

Ganzheitlich und nachhaltig. Was kann man sich darunter vorstellen? "Schau immer genau hin, wer da woran verdient", rieten mir meine Bekannten. Neugierig, offen, aber auch skeptisch stürzte ich mich also in das Abenteuer, mich zum Thema Geld beraten zu lassen.

In Deutschland investieren 29 Prozent der Anleger teilweise nachhaltig - zumindest 55 Prozent sind daran interessiert. Doch erst schlappe 0,9 Prozent des Deutschen Kapitalmarkts sind "nachhaltig". Grund ist wohl vor allem der Beraterengpass bei den Mainstreambanken: Sie können ihre Kunden schlicht nicht umfassend zu diesen Themen beraten, hat die Initiative Geld mit Sinn e.V. festgestellt. Auch ich tat mich schwer, meine Wünsche einer Bank anzuvertrauen. Dann traf ich auf einer Nachhaltigkeitsveranstaltung Heike Ebli. Die aufgeschlossene Frau mit den lockigen Haaren war mir sofort sympathisch. Und wenn ich ehrlich bin, ist Sympathie für mich eine Grundlage für Vertrauen. Sie erzählte mir begeistert von dem jungen Unternehmen MehrWert, für das sie als Gesellschafterin tätig ist und weckte meine Neugier. Hier gehe es um den Menschen und seine Bedürfnisse: Dieser werde ganzheitlich betrachtet und mit möglichst nachhaltigen Produkten bedient. Das klang doch erst mal gut. "Ist das auch 'was für mich oder muss man für Vermögensberatung sehr vermögend sein?", fragte ich befangen.

Heike Ebli lächelte und lud mich ein, es doch einmal zu probieren und mit ihr gemeinsam meine Finanzplanung zu gestalten. Und ziemlich schnell wurde mir klar, dass eine Auseinandersetzung mit meinem Geld auch eine Auseinandersetzung mit mir und meinen Zukunftswünschen sein würde. Auf den ersten offiziellen Beratungstermin sollte ich mich mit tiefgründigen Fragen vorbereiten: Was ist mir im Leben wichtig? Wozu soll Geld mir dienen? Welche konkreten privaten und beruflichen Pläne hege ich? Was bedeuten für mich Sicherheit, Vermögen, Rendite? Und schließlich: Spielt Nachhaltigkeit für mich eine Rolle? "Wer anlegen will, muss also zunächst sein Anliegen klären", dämmerte es mir.

Unser Auftakttreffen würde ich entsprechend als intensives Kennenlernen umschreiben - ich fühlte mich als Mensch gehört und verstanden. Eine umfassende Bestandsaufnahme fragte nicht nur nach meinen Depotwerten und Absicherungen, sondern auch nach den echten Wünschen einer Persönlichkeit. So könnte sich also "ganzheitlich" anfühlen, dachte ich.


Systematische Vermögensplanung:
ein solides Haus


Doch in diesen ersten Stunden lernte ich nicht nur viel über mich, sondern auch über lebenszielorientierte Finanzgestaltung. Eine systematische Vermögensplanung kann man sich vorstellen wie ein Haus, in dem das Fundament die Grundabsicherung darstellt. Dazu gehören in erster Linie die Absicherung des Einkommens (Berufsunfähigkeit, Unfall, Krankheit, Pflege, Altersvorsorge etc.) und die Absicherung des Vermögens wie Haftpflicht oder Hausrat. Der Bedarf einer Grundabsicherung richtet sich an der persönlichen Lebenssituation des Menschen aus, ebenso wie der Vermögensaufbau, die erste Etage des Hauses. Dazu gehören beispielsweise Sparpläne oder Baufinanzierungen. Als Dach und somit Oberbau des Lebenshauses sind Kapitalanlagen aufgesetzt - z.B. Beteiligungen, Fonds, Immobilien - sprich: "gebundenes" Geld.

Ich hatte nicht gemerkt, wie die Zeit verflogen war: Am späten Abend verabschiedete sich meine Beraterin, gut ausgestattet mit Eindrücken und Informationen über mich. Wie in ihrer Beratungskanzlei üblich, würde sie verschiedene Sichtweisen auf und Optionen für meine Finanzsituation nun mit ihrem Beraterteam besprechen, in dem jeder andere Schwerpunkte und Hintergründe hat. Das Besondere: Ich durfte ausnahmsweise Mäuschen spielen.

Sechs Berater und meine Beraterin sitzen also um einen Besprechungstisch in München und diskutieren anonymisierte Kundensituationen. Sie haben teils sehr verschiedene Hintergründe und fachliche Schwerpunkte - vom Investment Fachwirt, über den Bankbetriebswirt bis hin zum Quereinsteiger mit akademischem Hintergrund. Ihr Ziel ist es, eben diese unterschiedlichen Sichtweisen im Sinne der ganzheitlichen Kundenkonzepte zu bündeln. Systematisch, aber auch empathisch hangeln sie sich am Vermögenshaus entlang - ich bleibe stille Beobachterin. Sie besprechen in der Basis die von mir gewünschte, möglichst nachhaltige Berufsunfähigkeitsversicherung ("aber das Bedingungswerk muss auch gut sein, sonst nutzt dem Kunden alle Nachhaltigkeit nix"), diskutieren in Frage kommende nachhaltige Fonds auf dem Kapitalanlagen-Dach und kommen zu dem Schluss, dass Vermögensaufbau mit Bausparen, wenn man es konsequent nachhaltig will, eigentlich gar nicht geht - höchstens noch über eine bekannte Genossenschaft, aber auf ihre Steine werde ich wohl eher nicht bauen. In der Risikoklassifizierung hatte ich mich als nicht gerade risikofreudig eingestuft (Stufe 2 von 4), doch die Berater stellen fest, dass meine Beteiligungen an Erneuerbaren Energien das Portfolio realistisch eher in den Bereich 3 bis 4 verschieben. Ein nachhaltiger Rentenfonds könnte hier die nötige Balance herstellen.

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen brummt mir der Schädel. Hinter so einer Vermögensplanung stecken doch so einige Begriffe, Fragen, Spezifizierungen und Hintergründe, in die ich mich alleine jahrelang reinfuchsen müsste, um dann immer noch nicht sicher zu sein, was ich machen soll. Ich beginne, die Dienstleistung hinter der einfachen Aufgabe "Mach mal was Gutes mit meinem Geld" zu verstehen. Und stelle den anwesenden Beratern die Gretchenfrage: Wie finanziert ihr euch? Wie könnt ihr euch den Anspruch leisten, nachhaltige Finanzberater zu sein, die eben nicht profitgetrieben das nächstbeste Produkt verscheuern?

Die Ehre des (Versicherungs-)Kaufmanns:
Honorar oder Provision?


Grundsätzlich gibt es zwei Formen der Vergütung, die erst einmal nichts über die Qualität der Beratung aussagen. Die provisionsbasierte Beratung ist in den letzten Jahren stark in Verruf geraten, weil durch die Vertriebe Anreize mit Incentives geschaffen wurden - wie etwa ein Extra-Urlaub für den Makler auf den Malediven... Eine Alternative bildet die Honorarberatung, die sich jedoch die wenigsten leisten können. Zudem ist das Bewusstsein für den Wert einer finanziellen Beratungsleistung - wie bei mir ja anfangs auch - in Deutschland wenig verbreitet. Hätte Heike Ebli mir gesagt: 100 Euro pro Beratungsstunde, ich hätte mich nicht mal getraut, nochmal einen Kaffee mit ihr trinken zu gehen. Verschreckt wäre ich wahrscheinlich irgendwann auf Finanz-Discounter oder Online-Tools ausgewichen - und das kann teurer werden als mit Beratung. Andererseits lässt sich nicht bestreiten: Durch das unverantwortliche Verhalten mancher provisions- und courtageabhängiger "Berater" haben in der Finanzkrise tausende von Anlegern ihr Geld verloren. Inzwischen sind die Berufs- und Beratungspflichten verschärft und somit der Verbraucherschutz verbessert worden.

Verschiedene Initiativen arbeiten daran, das Vertrauen der Kunden in die Branche zurückzugewinnen. Das Netzwerk für nachhaltige Vermögensberatung ökofinanz-21 will den Weg zu einer geregelten und fairen Finanzberatung konstruktiv begleiten. Dafür schlagen die Initiatoren sogenannte Hybridlösungen für eine mehrjährige Übergangszeit vor. Dabei werden dem Kunden bzw. Auftraggeber vor Beginn einer Beratung beide Wege (Courtage oder Honorar) mit allen Folgen (z.B. Haftung), inklusive Kostenvoranschlag, vorgestellt. Komme es dann nach einer Honorarberatung zur Produktvermittlung, die Provision beinhaltet, werde diese verrechnet. Eine solche "Hybridlösung" sei solange erforderlich, wie es keine vollständigen Netto-Produkte am Markt gäbe. Langfristig müssten folglich alle Kosten von Produkt und Beratung offengelegt werden (www.oekofinanz-21.de).

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e.V. hat zehn Tugenden aufgelistet, zu denen sich alle selbstständigen Vermittler öffentlich bekennen können (www.ehrbarerkaufmann.de). Dazu gehören u.a. Ethisches Handeln, Qualifikation, Kompetenz, nachhaltiges Handeln, sozialpolitische Verantwortungsübernahme und kritische Selbstreflexion.

Wie entwickelt sich Vertrauen in der Finanzberatung? Durch Anonymität und Fokus auf Produkte? Durch Transparenz und Fokus auf den Menschen? Foto: © Ed Coyle Photography auf Flickr
Die MehrWert Finanzberatung schließlich löst den Konflikt, dass Berater sich zu Produkten mit hohen Provisionen hingezogen fühlen könnten, über einen Verteilungsschlüssel. Für jede Produktkategorie wird ein Mittelwert erarbeitet - der Makler erhält nicht die Courtage des verkauften Produkts, sondern diesen Mittelwert. Auf diese Weise und durch die korrektive Teamarbeit wird nochmals sichergestellt, dass das (stets nach Möglichkeit nachhaltige, also ethisch-ökologisch verantwortungsvolle) Produkt zu den individuellen Bedürfnissen des Kunden passt.

Eigene Wünsche erkennen
und Zusammenhänge verstehen


Mit der (Neu-)Organisation meiner Finanzen bin ich noch nicht am Ende. Doch ich weiß schon jetzt: Eine ganzheitliche Finanzberatung kann wirklich bereichernd sein, nicht zuletzt, weil ich durch den intensiven Dialog vielmehr vom Thema verstehe. Diese Erfahrung hat auch Heidi Schiller gemacht, die in der überzeugten Honorarberaterin Stefanie Kühn eine gute Partnerin fand: "Sie hat mich nicht nur nachhaltig beraten, sondern mein gesamtes Verhältnis zu Geld verändert - sehr zum positiven!", ist Schiller begeistert. Das Thema Geld ist oft ein verbranntes Feld. Umso wichtiger, dass in diesen "Intimbereich" wieder mehr Vertrauen kommt. "Wir waren enttäuscht von den Finanzberatern, die wir vorher hatten - das war wohl eher 'provisionsoptimierte' Beratung", berichtet das Ehepaar Ina und Gerhard Krieter, die ebenfalls Mandanten meiner Beraterin sind. Als die beiden Zahnärzte Heike Ebli kennenlernten, gefiel ihnen der ethische und ganzheitliche Ansatz. "Das macht einen großen Unterschied. Sie rückt den Menschen und uns als Ehepaar in den Mittelpunkt und zeichnet vorausschauend den Lebensweg auf - mit mehr Weitsicht, als man selbst es könnte, wenn man in seiner Situation feststeckt und kaum ans Übermorgen denkt".

Rational 100 Prozent sicher sein, die richtige Entscheidung getroffen zu haben, kann man wohl nie. Der Rat, sich nur aufs Bauchgefühl zu verlassen, ist sicherlich auch eher naiv. Vielleicht helfen Ihnen diese Tipps, ebenfalls eine für Sie wertvolle, ganzheitliche Finanzberatung zu finden:

  • Achten Sie auf eine Beratung, die auf Ihre individuellen Wertvorstellungen und Bedürfnisse eingeht.
  • Wird konzeptionell, d.h. systematisch gearbeitet oder geht es nur um Einzelprodukte?
  • Vorsicht, wenn Sie zum schnellen Abschluss gedrängt werden.
  • Nicht überall, wo Nachhaltigkeit drauf steht, ist nachhaltig 'was drin.
  • Mit jedem Produkt sollten Sie sich vor Abschluss rational vertraut machen - aber auch wohlfühlen.



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01.06.2013 in Stuttgart
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