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Quelle: Plattform Nachhaltig Wirtschaften Rubrik:  Fachbeiträge|Themen|Cleantech Datum:  12.07.2012


 

Grüne Software

Auch "weiche" Anwendungen verbrauchen Energie - Von Prof. Dr. Stefan Naumann

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) verbraucht zunehmend Ressourcen und Energie. Schätzungen zufolge liegt ihr Energieverbrauch international im Bereich des weltweiten Luftverkehrs. In Deutschland werden etwa zehn Prozent des Gesamtstromverbrauchs für IKT eingesetzt - Tendenz steigend. Die klassische sogenannte "Green IT" umfasst dabei vor allem Verbesserungen in der Hardware und die Virtualisierung von Servern. In jüngerer Zeit gerät auch die darauf laufende Software in den Fokus der Bemühungen zur Optimierung und Einsparung von Umweltbelastung und Kosten.
Abbildung 1: Das GREENSOFT Modell, Referenzmodell für Grüne und Nachhaltige Software

Im Rahmen des vom Bundesforschungsministerium geförderten Projektes GREENSOFT hat nun der Umwelt-Campus Birkenfeld, ein Standort der Fachhochschule Trier, das Thema "grüne und nachhaltige Software" genauer unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler verfolgen zwei Ziele.

Nachhaltigkeit im Software-Lebenszyklus

Zunächst wurde modelliert und klassifiziert, was nachhaltige Software eigentlich ausmacht und wie sie gefördert werden kann. Hieraus ist das GREENSOFT-Modell entstanden (Abbildung 1). Es umfasst vier Teile: Im Software-Lebenszyklus werden ökologische, soziale und ökonomische Aspekte von Software über ihre gesamte Lebenszeit betrachtet. Denn auch Software kann als Produkt aufgefasst werden, welches bei Produktion und Betrieb Energie verbraucht. Entsprechend werden im Modell Messverfahren vorgeschlagen, um diese Energieverbräuche zu erfassen. Ein integriertes Vorgehensmodell umfasst die Entwicklung, Beschaffung, Administration und Nutzung von Software. Ergänzend wurden Handlungsempfehlungen und Werkzeuge zur Unterstützung der verschiedenen Akteure integriert. Ziel des Modells ist, sowohl Entscheider, Softwareentwickler und Administratoren als auch Nutzer bei ihren Aufgaben zu unterstützen.

Energieeffiziente Software

Zweites Projektziel ist die Energiemessung von Softwaresystemen. Hier soll festgestellt werden, inwieweit der Energieverbrauch von Software überhaupt erfassbar ist und zu signifikanten Ergebnissen führt. Da es hierzu derzeit keine absoluten Vergleichswerte gibt, wurden Systeme mit gleichen Aufgaben - beispielsweise verschiedene Browser - oder auch ein einzelnes System mit unterschiedlichen Konfigurationen getestet. So wurde ermittelt, dass der Browser Firefox aus energetischer Sicht dem Internet Explorer etwas überlegen ist (vgl. Abbildung 2).
Bei Web-Content-Management-Systemen wie Joomla ist es beispielsweise energetisch günstig, sogenannte Caching-Funktionen zu aktivieren. Hierbei wird dann nicht immer der gesamte Inhalt einer Website dynamisch erzeugt und vom Browser heruntergeladen, sondern nur, wenn es wirklich etwas Neues gibt.

Abbildung 2: Darstellung gleicher Wikipedia-Inhalte mit verschienden Browsern


Insgesamt kommt die Forschungsgruppe zu dem Ergebnis, dass neben Anwendungsgebiet einer Software - z.B. Textverarbeitung, Routenplanung oder Warenwirtschaft - auch ihr direkter durch den Betrieb bedingter Energie- und Ressourcenverbrauch ökologisch relevant ist und sowohl von Entwicklern als auch von Entscheidern, Administratoren und Nutzern berücksichtigt werden sollte. Zudem müssen im Zuge der Energiewende auch Rechenzentren und Software stärker in das Smart Grid integriert werden. So sollte es beispielsweise möglich sein, bestimmte zeitunabhängige Softwaredienste abhängig vom Stromangebot durchzuführen.


Tipps für Entscheider

  • Bei der Beschaffung von Software auf die Systemvoraussetzungen achten: Ist neue Hardware notwendig? Gäbe es Alternativen? Leider gibt es bisher für Software kein Label oder Zertifikat, das besondere Energiesparsamkeit belegt. Hier muss daher im Einzelfall bei der Beschaffung erfragt werden, wie es damit aussieht, auch hinsichtlich des Zusammenspiels von Arbeitsplatzrechnern und Servern etc.
  • Bei Beauftragung zur Entwicklung von Software Green IT-Aspekte mit in das Lastenheft übernehmen: Ressourcenverbrauch, Energieverbrauch, Funktionsumfang, Netzlastgenerierung, Laststeuerung etc.
  • Auch auf Software den "Cradle to Grave"-Ansatz anwenden und sie trotz des anscheinend immateriellen Charakters wie jedes andere Produkt im Unternehmenskontext betrachten, z.B. durch Anwendung von Life Cycle Costing-Ansätzen in der Softwarebeschaffung.
  • Konfigurationen eigener Software auf Serverseite überprüfen lassen: Wo lassen sich bspw. durch Maßnahmen wie Caching oder Komprimierung Datenströme reduzieren?
  • Einen Web-Provider/ISP nutzen, der mit Ökostrom arbeitet. Eine Liste findet sich bspw. auf der Projektseite unter "Ökoprovider".



Prof. Dr. Stefan Naumann
Umwelt-Campus Birkenfeld, Institut für Softwaresysteme, ist neben Grundlagen der Mathematik und Informatik für den Bereich Umwelt- und Nachhaltigkeitsinformatik zuständig. Er leitet derzeit das Forschungsprojekt GREENSOFT und geht davon aus, dass Software eine zunehmende Rolle bei der Bewältigung der Fragen zu nachhaltiger Entwicklung spielen kann. Hierzu muss aber die IKT selber auch umweltfreundlicher werden.


www.green-software-engineering.de




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