Leadership by bike

Was uns Fahrräder über Teamwork verraten

Christopher Lewis ist in der Werbung tätig, doch bald wird ihm das zu fad. Er betätigt sich die kommenden fünfzehn Jahre als Kunstmaler. Dann folgt Lewis dem Impuls einer nachhaltigen Lebensweise und beginnt mit der Restauration von Fahrradklassikern. Im Jahr 2012 gründet er Samstag Rad. Von da an bewahrt er gutes Material – Räder mit Stahlrahmen, gefertigt zwischen 1940 bis 1970 – vor der Schrottpresse und baut daraus exklusive Traumräder für Kunden mit speziellen Wünschen. Als Ergebnis entstehen etwa 100 Radunikate für private Auftraggeber.

Einsichten beim Schrauben
Räder bauen zur Teambildung: Initiator Christopher Lewis ©SamstagradNicht selten bitten die späteren Besitzer der Edelunikate bei der Entstehung ihres neuen Tretmobils mithelfen zu dürfen. Durch die Begeisterung seiner Kunden am Schrauben macht sich in Lewis eine Ahnung breit …

Bei einem denkwürdigen Treffen mit einem Berater fällt 2016 der Groschen und es entsteht die Idee, Radbau-Workshops für Unternehmen anzubieten: als Team-Building, Kreativ-Workshop oder im Rahmen des Change Managements. Kurz danach findet bereits der erste Workshop statt und die Teilnehmer sind begeistert darüber, wie sehr sie ein solches Training als Team zusammenschweißt und Selbstvertrauen und Kreativität stärkt. Und noch mehr: Das neu entstandene Gefährt kann als greifbare Trophäe des Erfolgs mit in den Betrieb gebracht und bestaunt werden.

Zen und die Kunst, ein Fahrrad zu bauen
In Abwandlung des Bestsellers „Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten" bringt dieser erste Fahrradworkshop viele Erkenntnisse zutage. Eine besonders wichtige Einsicht: Es ist die Summe seiner Teile, die Erfolg ausmacht – das gilt für einen Konzern, ein Unternehmen, eine Abteilung, ein Team, und somit kommt es auch auf jeden Einzelnen im Team an. „Je mehr alles harmoniert, desto besser ist das Ergebnis. So auch bei einem Fahrrad. Gute Einzelteile allein nutzen wenig. Erst das gesamte Fahrrad ermöglicht das Gefühl des Fliegens, des Dahingleitens auf dem Asphalt und bringt uns an unser Ziel", schildert Lewis den Wissenstransfer des Fahrradbaus. „Wer glaubt, man könne auf bestimmte Teile verzichten, um Gewicht zu sparen oder schneller zu sein, kommt leicht zu einem unerwünschten Ergebnis. Das gilt für Bremse und Beleuchtung beim Fahrrad ebenso wie für Risikomanagement, Controlling oder CSR im Betrieb. Zuweilen müssen Komponenten neu abgestimmt oder Einstellungen überdacht werden, damit alles besser läuft. Auch hier gilt die Analogie und genau da setzt der Radbau-Workshop für Unternehmen an: Die Kreativität von Mitarbeitern spielerisch fördern und in einem Workshop mit ungezwungener Leichtigkeit und dennoch hoher Konzentration ein Fahrrad bauen – als Team-Building, als Begleitung von Change-Prozessen oder einfach nur als Incentive. Mit seinem einzigartigen Angebot wendet sich Lewis an Interessenten, die zukunftsfähig wirtschaften und auch neue Wege gehen wollen. Im Bauprozess werden Fahrräder und Unternehmen als ganzheitliches Konstrukt betrachtet und verglichen. In der Gegenüberstellung entstehen Analogien wie Laufräder/Vertrieb, Bremse/Controlling, Klingel/Risikomanagement, Lenkung/Vorstand. Feste und flexible Teile ergänzen einander. Sie harmonieren durch Balance – beim Radfahren ein unbewusster und in Betrieben ein angestrebter Zustand. Nur im funktionierenden Zusammenspiel entstehen neue, ungeahnte Möglichkeiten und die Fähigkeit, sich an veränderte Situationen anzupassen. Versteckte Talente werden entdeckt und ebenso die vorbehaltlose Zusammenarbeit gefördert. Nur ein stimmiges Team baut ein optimales Fahrrad.

Per Rad zum kreativen Team
Ein Fahrrad als Paradebeispiel für gelungenes Teamwork ©SamstagradFür den Künstler ist ein gutes Briefing vor dem Workshop wichtig. In einem Vorgespräch fragt er ab, welche konkreten Ziele die Abteilung oder das Unternehmen mit dem Workshop für ihre Mitarbeiter erreichen möchten. Darauf basierend wird entschieden, ob Lewis gemeinsam mit einem internen Personalentwickler oder alleine durch den Workshop führt. Ideal ist es, wenn vier Personen als Team an einem Rad bauen. Das dauert fünf bis sieben Stunden und bringt neben neuen Erkenntnissen jede Menge Spaß. Gebaut wird im Impact Hub München – allein diese Umgebung, in der sich junge kreative Startups ein Stelldichein geben und an ihren Visionen der Zukunft arbeiten, ist eine Quelle der Inspiration. Doch die Manufaktur von Lewis ist mobil und der Coach und Künstler kommt auch vor Ort in eine Firma.

Statt Neuware werden alte Stahlrahmen sowie hochwertige Vintage-Teile verwendet, ein Ansatz, der Konzepte wie Kreislaufwirtschaft, Cradle to Cradle und Upcycling thematisiert; darüber hinaus Herausforderungen wie CO2-Reduzierung, betriebliche Mobilität, der Weg zum Arbeitsplatz und vieles mehr. Die entstehenden „Samstag Räder" stehen somit nicht nur für Kreativität und Nachhaltigkeit, sondern auch für sinnvolle Bewegung, physische und geistige Mobilität, Gesundheit und Achtsamkeit. Eigenschaften eben, die in einem Unternehmen der Zukunft gefragt sind.

Machen 4.0
In einer zunehmend digitalen Welt wächst das Bedürfnis von Menschen nach analogen Tätigkeiten, danach, vom Kopf ins Tun zu gehen. Im Workshop experimentieren, beobachten und reflektieren und selbst Hand anlegen zu dürfen, macht den Teilnehmern Freude. Bei der Ausgestaltung von Workshops können Unternehmensprozesse thematisiert werden oder die Teilnehmer bauen – z.B. im Rahmen einer Incentive-Aktivität – einfach „nur" ein Rad und entdecken dabei traditionelle Werte und erkennen diese auch in der Geschichte und Firmenkultur des eigenen Unternehmens. Eines ist jedoch sicher: Im Workshop werden Kreativität und Fantasie angeregt und zur bleibenden Erinnerung kommt das Rad ins Unternehmen. 

100&100
Auf Grund der großen Begeisterung wird sich Lewis zukünftig ausschließlich dem Thema „Radbau-Workshops für Unternehmen" widmen. Doch auch hier hat er die Kunst im Auge. Unter dem Projektnamen 100&100 möchte er einem oder mehreren Unternehmen die Möglichkeit bieten, zusammen mit ihren Mitarbeitern unter seiner Anleitung weitere 100 Räder für einen sinnvollen Zweck zu bauen. Während des Bauens entstandene Fotos kann das Unternehmen für PR-Zwecke oder etwa eine Werbekampagne nutzen – und so mit der Übergabe der Räder, entweder in den firmeneigenen Mobility Fuhrpark oder aber z.B. an eine Flüchtlingsinitiative, den Zirkel von der Supply chain über die Produktion bis hin zur Kommunikation schließen. Bleibt die letzte Frage an den Künstler: Wieso heißt seine Initiative eigentlich „Samstag Rad"? Das, erklärt Lewis verschmitzt, weil… Es sollte ein für Fahrräder untypischer Name sein, der sich leicht einprägt und eine positive Assoziation hervorruft – denn wer will schon ein Montags-Fahrrad? Und nicht zuletzt wurde die Idee an einem Samstag geboren.

Samstag Rad restauriert Fahrradklassiker mit Stahlrahmen aus den 40er-70er Jahren. Aus Fahrradschrott entstehen künstlerisch gestaltete Unikate für anspruchsvolle Individualisten. Samstag Rad versteht sich als Gegenentwurf zur Wegwerfmentalität und hat experimentellen Projekt-Charakter. Mehr Wertschätzung fürs Fahrrad, das Schonen von Ressourcen, das stilvolle Fahren im urbanen Raum sowie ein schöneres Stadtbild. Kunden schätzen die Möglichkeit, ein für sie speziell gestaltetes Fahrrad im intensiven Prozess zu konfigurieren. Zunehmend bringen Kunden aber auch defekte Räder, die sie seit Jahrzehnten haben, um die Geschichte in ihnen weiterleben zu lassen. Seit 2016 bietet Samstag Rad auch Radbauworkshops für Unternehmen. | www.samstag-rad.de

Von Fritz Lietsch

 
Wirtschaft | Führung & Personal, 01.02.2017
Dieser Artikel ist in forum Nachhaltig Wirtschaften 01/2017 - And the winner is... erschienen.
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